Pflanzenproben


Pflanzenproben

Es war den ganzen Tag über nicht richtig hell geworden, zum Ausgleich dafür wurde es an diesem Abend auch deutlich früher dunkel. Mina, über das letzte Piktogramm gebeugt, legte den Stift beiseite und ging zum Lichtschalter neben der Tür der Bibliothek.

Wenigstens sind die Dokumente übersetzt. Das ist den Ärger wert, auf den ich mich wegen der verpassten Tanzstunde jetzt gefasst machen kann, fand sie.

Als sie die Hand nach dem Schalter ausstreckte, hörte sie das Rascheln.

Im Labor nebenan hatte sich ein Vorhang bewegt.

Für gewöhnlich hätte Mina die Schultern gezuckt, das Licht eingeschaltet und wäre nachschauen gegangen, ob vielleicht der Wind ein Fenster aufgestoßen hatte, doch dann schwappte der Gedanke an die Vermutung des Polizisten hoch, es sei vielleicht jemand daran interessiert, die Entwicklung eines Heilmittels zu verhindern.

Mina zog die Hand vom Lichtschalter zurück.

Ihr Blick huschte zu den Papageien auf der Gardinenstange über dem Fenster hinüber.

Die Tiere hielten ganz still.

Andererseits waren die beiden heute den ganzen Tag über schon still gewesen und kaum herum geflogen, als hätte das trübe Wetter ihnen die Energie geraubt. Insofern war das Stillsitzen jetzt nicht zwangsläufig ein Warnzeichen.

Mina lauschte in die Stille im Haus hinein.

Dielen knarrten.

Auch das hieß jetzt nicht viel, überlegte sie. In einem Haus gibt es immer Geräusche, Holz das bei Temperaturveränderungen knackt, genau wie das Metall der Rohre…

Wieder ein Knarren.

Und wieder.

Und das Geräusch hatte eine Richtung, vom Fenster hin zur Tür.

Mina huschte zum Schreibtisch, griff nach den Dokumenten, steckte sie in ihre Bluse und schnippte mit den Fingern, um die Aufmerksamkeit der Papageien zu erhaschen.

Wollt ihr wohl endlich reagieren! schimpfte sie in Gedanken mit ihren Lieblingen.

Als hätten die beiden sie gehört, schauten sie nach dem dritten Schnippen endlich zu ihr hinunter.

Sie winkte ihnen, auf ihre Schulter zu flattern und wünschte sich insgeheim, sie hätte die beiden dressiert, als diese sich alle Zeit der Welt ließen, auf die Geste zu reagieren.

Eine Waffe.

Gab es hier irgendetwas, das sie als Waffe nutzen konnte, um sich damit zu verteidigen?

Ja, es gab Gewehre und Pistolen im Haus, der Großvater des Professors war ein Waffennarr gewesen. Sein Enkel war es nicht, deshalb befanden sich alle Waffen jetzt sorgfältig weggeschlossen in einem Zimmer im ersten Stock.

Sie tastete nach dem Brieföffner. Lieber hätte sie etwas mit mehr Reichweite gehabt, aber immerhin besser als nichts.

Die Tür der Bibliothek knarrte, trotz aller Vorsicht, als Mina in den Flur hinaus huschte.

Und dann ging die Tür zum Labor auf und es bestand kein Zweifel mehr daran, dass die Geräusche nicht durch Wind oder Temperaturveränderungen verursacht wurden.

Aus der Dunkelheit des Labors löste sich eine dunkel gekleidete Gestalt.

Finger in dunklen Handschuhen griffen nach Mina.

Die Klinge des Brieföffners schnitt durch dichten dunklen Stoff und Mina wurde mit einem Schrei belohnt, mehr vor Überraschung als vor Schmerz, am Brieföffner war kein Blut zu sehen. Sie nutzte die Überraschung, trat nach dem Knie der Gestalt, hörte ein Knacken und einen weiteren Schrei, diesmal schmerzerfüllt. Eine zweite dunkel gekleidete Gestalt tauchte dicht neben ihr auf, schlug nach den beiden Papageien, die zeternd um die Eindringlinge herum flatterten.

„Fliegt weg!“ rief Mina den beiden zu.

Euch darf nichts passieren, euch darf auf gar keinen Fall etwas passieren! setzte sie in Gedanken hinzu, hatte mehr Angst um die Papageien als um sich selbst und sah erleichtert, dass die beiden diesmal sofort gehorchten.

Mina drehte sich um und rannte, gefolgt von den Papageien, gefolgt von den Eindringlingen. Einer der beiden humpelte.

Wohin?

Die Treppe hoch, sich irgendwo einschließen?

Lieber nicht. Lieber ’raus aus dem Haus. Der Nebel draußen versprach Deckung.

Sie rannte durch die Eingangshalle und prallte gegen den Professor, der genau in diesem Moment die Haustür aufschloss und sich duckte, als die Papageien über ihn hinweg schossen.

„Professor, da sind Einbrecher im Haus!“

„Was? Wie bitte?“

Der Professor stolperte rückwärts, als Mina ihn ins Freie drängte.

„Aber die Dokumente…“

„Hab’ ich hier!“

Der Professor zögerte, nicht bereit, sich aus dem eigenen Haus verscheuchen zu lassen.

Mina packte seinen Ärmel, zerrte ihn die Stufen hinunter und zuckte zusammen, als auf dem Kiesweg vor dem Haus ein weiterer Schatten aus dem Nebel auftauchte. Dann sah sie genauer hin und atmete auf, als sie Yegor erkennte. Die Papageien waren ihm ganz offenbar schon vorher begegnet, hockten auf seiner Schulter. Der Modifizierte gab Mina zwei in Paraffinpapier gewickelte Gegenstände, die Schale, in der das Teegebäck gewesen war, und einen weiteren Umschlag, hob die Tierchen von seiner Schulter und setzte sie auf ihre Schulter.

„Verschwinden Sie“, sagte er zu ihr und dem Professor, dann war er mit einem schnellen Sprung zwischen ihnen und den beiden Verfolgern. Stiefel kratzten und scharrten über den Boden, als der Modifizierte die beiden anscheinend ganz mühelos zurück ins Haus schob. Schreie drangen durch den Nebel.

Mina und der Professor liefen los, erreichten die Eingangstür gerade noch rechtzeitig um zu sehen, dass der Modifizierte die Eindringlinge mit zwei gezielten Fausthieben zu Boden schickte. Der Schlag ließ die beiden über den Boden schlittern, bis sie im Flur liegen blieben. Als die beiden benommen die Augen wieder öffneten, fanden sich mit dem Werkzeuggurt aneinander gebunden.

„Es ist uns gelungen, weitere Dokumente und einige Pflanzenproben zu bergen“, sagte Yegor, als sei nichts gewesen, zog ein Päckchen und einmal mehr eine Empfangsbestätigung und einen Stift aus den Innentaschen des Mantels. „Wenn Sie bitte den Empfang quittieren könnten.“

„Ja, selbstverständlich.“

Wie hypnotisiert nahm der Professor Paket, Empfangsbestätigung und Stift entgegen und setzte seine Unterschrift unter das Dokument.

„Vielen Dank für die Hilfe“, sagte er, als er Yegor das Dokument unterschrieben zurück gab.

„Ja, danke“, stimmt Mina zu. „Geht es dir gut?“

„Alles in Ordnung“, versicherte Yegor.

„Bitte warte einen Moment“, bat der Professor den Modifizierten und eilte mit schnellen Schritten die Treppe zum oberen Stockwerk hinauf.

Mina stellte die Schale auf das Tischchen nahe der Tür und verschränkte die Arme vor der nach Papier knisternden Brust. Auf emotionale Unterstützung durch die Papageien brauchte sie nicht zu hoffen, die beiden flatterten los und saßen kurz darauf in das Projekt durchgenagtes Ölzeug vertieft wieder auf Yegor Schulter.

„Sie haben keine Schnittverletzung, oder?“ wandte Mina sich an einen der beiden Eindringlinge. „An dem Brieföffner war kein Blut.“

Sie merkte, dass der Modifizierte sie anstarrte.

„Du hast dafür gesorgt, dass die beiden ungefährlich sind. Es gibt jetzt keinen Grund mehr, eine Verletzung nicht zu versorgen“, erklärte sie.

Der Modifizierte schaute von ihr wieder zu den Einbrechern hinüber. Auf den ersten Blick wirkte die Kleidung aufgrund der langweiligen Farben unscheinbar, doch Mina sah die perfekten Nähte. Außerdem passten Kleidung und Schuhe wie angegossen.

„Wie rührend“, kommentierte der Angesprochene Minas Besorgnis, mit einer Stimme wie Samt und einem Tonfall, der überquoll vor Verachtung.

„Es wäre sehr freundlich, wenn Sie auf dem Weg zurück zum Hafen beim Polizeipräsidium vorbei gehen und den Vorfall melden könnten“, bat der Professor, als er zurück kehrte, Stricke in

der einen Hand, in der anderen ein ebenso altmodisches wie reich verziertes und perfekt gepflegtes Gewehr. „Und nehmen Sie Mina mit.“

„Und was ist mit dir?“ wollte Mina wissen.

Der Professor hob demonstrativ das Gewehr.

„Ich habe das hier, falls uns noch jemand ungebetenen Besuch abstatten möchte, aber dich will ich dann nicht hier im Haus wissen.“

„Dieses Haus hätte heute um diese Zeit leer sein sollen“, knurrte der zweite Eindringling, dessen Stimme eher kerniger als samtig klang.

„Ich habe meine Tanzstunde verpasst“, erwiderte Mina aus einem Reflex heraus.

„Zwei Professoren, die gemeinsam mit mir an der Erforschung eines Medikaments arbeiten, sind heute unpässlich, daher bin ich früher zurück“, erklärte der Professor.

Der Modifizierte schaute Mina und den Professor ungläubig an.

„Rechtfertigen Sie gerade allen Ernstes zwei Einbrechern gegenüber Ihre Anwesenheit in Ihrem eigenen Haus?“ vergewisserte er sich.

Mina und der Professor wechselten einen Blick.

„Sieht so aus“, gab der Professor schließlich zu und reichte das Gewehr an Mina, während er selbst mit Yegors Hilfe Arme und Beine der Einbrecher mit Seilen fesselte. Mina spürte das vertraute Gefühl des Gewehrkolbens an der Schulter, als sie auf die Einbrecher zielte. Sie hatte mit genau dieser Waffe geübt, als Professor Biraud ihr beigebracht hatte, mit einem Gewehr umzugehen, als sie bei einem Zirkusbesuch mit dem Professor einen Trickschützen gesehen hatten und sie danach unbedingt ebenfalls Trickschützin werden wollte. Als kein Schützenverein kein Schützenverein eine Zehnjährige akzeptierten wollte, die nur sporadisch aktiv sein konnte, hatte der Professor sich erweichen lassen und eine exzellente Sportschützin aus ihr gemacht, erinnerte sie sich an das Training, während der Professor und der Modifizierte aufstanden und von den gefesselten Einbrechern zurück traten.

Der Modifizierte legte den Werkzeuggurt wieder um, und Mina tauschte das Gewehr gegen den neuen Umschlag, während Professor Biraud sich an Yegor wandte.

„Bitte, passen Sie auf Mina auf.“

„Verstanden“, sagte Yegor.

Mina nahm einen Mantel vom Kleiderständer, der Professor gab ihr eine Handvoll Goldmünzen mit, die sie in die Manteltasche steckte. Die Papageien kuschelten sich zwischen Haare und Mantelkragen, als Yegor ihr die Tiere zurück gab.

Mina schaffte es, den Mund zu halten, bis sie auf der Straße waren.

„Der Professor ist ein sehr guter Schütze, aber er weigert sich, auf etwas Lebendiges zu schießen. Er wird eher seine eigene Gesundheit riskieren als auf eine andere Person zu schießen“, teilte sie dem Modifizierten ihre Besorgnis mit.

„Das Gewehr kann immer noch zur Abschreckung dienen“, erwiderte Yegor.

Um sie herum flammten Straßenlaternen auf, malten trübe Lichtflecken in Nebel und Dunkelheit. Ein Film aus feinen Wassertröpfchen machte das Kopfsteinpflaster unter Minas dünnen Hausschuhen rutschig.

Ich hätte Stiefel anziehen sollen, kam die Erkenntnis, zumal das Straßenpflaster zunehmend holpriger und stellenweise schadhaft wurde, nachdem sie aus dem Villenviertel heraus waren. Tja, nun ist es zu spät.

„Die Kleidung der beiden war von sehr guter Qualität“, überlegte sie laut vor sich hin. „Wer auch immer die beiden beauftragt hat legt Wert auf hochwertige Arbeitskleidung. Zum Glück nicht auch noch auf gute Kämpfer, sonst hätte ich nie vor denen weg laufen können.“ Sie schaute zu dem Modifizierten an ihrer Seite hoch. Kleine Krallen kratzten über die Haut in ihrem Nacken, als die Bewegung die Papageien dazu brachte, das federleichte Gewicht zu verlagern. „Aber du bist ein guter Kämpfer.“

„Du hast es gerade eben selbst gesagt, die beiden waren es nicht“, entgegnete Yegor. „Also brauchte es nicht viel, mit denen fertig zu werden.“

„Das meine ich nicht. Du bist schnell. Du weißt, was du tust. Stimmt doch, oder?“

Der Modifizierte schwieg einen Moment, bevor er schließlich mit „Ja“ antwortete.

„Wo hast du das gelernt?“ schnellte ihr die nächste Frage von den Lippen, noch bevor Mina sie herunter schlucken konnte.

Das geht dich doch gar nichts an, wies sie sich zurecht.

„Ich weiß, das geht mich nichts an“, sagte sie laut, schaute wieder nach vorn und spürte einmal mehr die kleinen Krallen in ihrem Nacken. „Aber mich zu fragen, wo du kämpfen gelernt hast, lenkt mich davon ab, mir um den Professor Sorgen zu machen.“

„Im Labor“, erwiderte der Modifizierte.

„Sollten die Experimente nicht perfekte Arbeiter hervor bringen?“ wunderte sich Mina. „Warum dann Kampfkunst lehren?“

„Einer der Geldgeber war ein ehemaliger General der Imperialen Armee, der sich besonders resiliente Leibwächter für einen ausgewählten Personenkreis erhoffte“, erwiderte Yegor.

„Mich wundert, dass er diesen Plan offenbar einfach so aufgegeben hat, sonst wäre er wohl an einer Fortsetzung der Experimente interessiert gewesen“, überlegte Mina laut vor sich hin.

„Die Subordination der Probanden war nicht ausreichend“, verriet der Modifizierte. Mina musste lachen.

„Das finde ich gut:“

Zwei Beamte traten aus dem Gebäude, als Mina und Yegor bei der Polizeistation ankamen, empfingen den Modifizierten mit misstrauischen Blicken.

„Ich möchte einen Einbruch melden. Wenn Sie bitte schnell jemanden zu Professor Birauds Villa in schicken könnten, Platanenallee elf. Der Professor hält dort zwei Einbrecher in Schach“, sagte Mina und wandte sich an Yegor. „Vielen Dank, dass du mich her begleitet hast.“

„Keine Ursache“, versicherte der Modifizierte.

„Sind Sie ebenfalls Zeuge dieses Einbruchs?“ wandte sich einer der Beamten an Yegor.

„Er wird im Hafen erwartet und war so lieb dafür zu sorgen, dass ich sicher hier eintreffe“, erklärte Mina. „Wenn Sie wie gesagt bitte schnell Hilfe schicken könnten.“

„Wird gemacht“, versprach einer der Beamten und nickte Mina und dem Modifizierten freundlich zu, bevor er kehrt machte und wieder in die Polizeistation hinein ging. Sein Kollege, der wie das Ideal eines Polizisten wirkte, groß, athletisch, jung, akkurat frisierte Haare, sorgfältig getrimmter Bart, richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf Yegor.

„Also? Sind Sie Zeuge?“

„Ja“, bestätigte Yegor.

„Dann begleiten Sie uns, damit wir Ihre Aussage aufnehmen können“, forderte der Beamte ihn auf.

Nebel kroch mit ihnen in das Gebäude, mischte den Geruch von modrigem Laub unter ein Aroma aus Kneipe und Bibliothek, aus kaltem Tabakrauch, schalem Bier, Papier und Tinte, Schweiß, Parfüm und Rasierwasser, beides billig. Reiche Leute kamen für gewöhnlich nicht in eine Polizeistation sondern zitierten Polizisten bei Bedarf ins Haus. Auf dem Weg durch die Flure klebten immer wieder Blicke an Yegor fest, sobald jemand das Eisen bemerkte. Der Beamte winkte einen weiteren Polizisten heran, blass und schmächtig und mit Dokumenten bewaffnet, hinter denen er fast unsichtbar wurde.

„Müssen die Tiere hier sein?“ sagte der Beamte, nachdem er Mina und Yegor in einen ruhigen Raum dirigiert und der schmächtige Polizist Stift und Papier in Anschlag gebracht hatte, und deutete auf die Papageien. „Ich kann jemanden beauftragen, sie aus dem Raum zu bringen.“

„Bitte nicht“, erwiderte Mina.

„Schön“, sagte der Beamte in einem Tonfall, der keinen Zweifel daran ließ, dass er die Anwesenheit der Papageien ganz und gar nicht schön fand. „Also, dann erzählen Sie, was vorgefallen ist.“

Mina schilderte die Geschehnisse, während der Beamte mit den Dokumenten eine unbeschriebene Seite ais dem Papierstapel hervor zog und eifrig mit schrieb.

„Und dann hat Yegor die Bedrohung neutralisiert. Die Einbrecher sind jetzt gefesselt“, schloss sie ihren Bericht.

Als hätte er nur auf genau diese Stelle der Schilderung gewartet, schnellte der Blick des Beamten zu dem Modifizierten hinüber.

„Heißt das, Sie haben zwei nicht modifizierte Menschen tätlich angegriffen?“ wollte er wissen.

„Den beiden geht es gut“, erwiderte Mina.

„Die Frage galt nicht Ihnen, Frau Winter“, wies der Beamte sie zurecht und wandte sich sofort wieder an Yegor. „Also?“

„Er hat Professor Biraud und mich vor den Einbrechern beschützt“, ignorierte Mina die Anweisung, nur um ebenso von dem Beamten ignoriert zu werden.

„Wenn ein Modifizierter nicht modifizierte Personen angreift, ist das ein Problem“, teilte er Yegor mit.

„Und ich dachte, Einbruch sei ein Problem“, sagte Mina kühl und gab sich wirklich Mühe, die immer stärker werdende Aversion gegen den Beamten zu unterdrücken und sachlich zu bleiben.

„Das eine schließt das andere nicht aus“, teilte der Beamte ihr mit.

„Dann sind wir also durch mit der Zeugenaussage?“ vergewisserte sich Mina.

„So weit ja“, sagte der schmächtige Beamte und handelte sich einen giftigen Blick seines Kollegen ein, den er gelassen ignorierte.

„Sehr gut, dann können wir jetzt ja gehen“, sagte Mina.

„Sie sollten in Erwägung ziehen, die Villa für ein paar Tage zu verlassen“, riet der Schmächtige. „Haben Sie eine Ausweichmöglichkeit?“

„Ja, vielen Dank für den guten Rat“, erwiderte Mina und schenkte dem schmächtigen Beamten ein Lächeln. „Es gibt einen Landsitz.“

Der Schmächtige nickte und machte eine entsprechende Notiz.

„Wir werden Ihnen für den Weg zurück Professor Birauds Villa einen Beamten zu Ihrem Schutz an die Seite stellen.“

„Nicht nötig“, sagte Mina. „Yegor wird mich begleiten.“

Und diesmal ist es mir gleichgültig, dass ich über seinen Kopf hinweg bestimme und er wieder zurück im Hafen sein sollte, Hauptsache wir kommen wieder weg von hier, setzte sie in Gedanken hinzu.

Der Schmächtige nickte.

„Dann notiere ich, dass Sie auf Polizeischutz verzichten“, erklärte er, und Mina stimmte zu.

„Das Verhör ist noch nicht beendet“, wandte der andere Beamte ein.

„Verhör?“ wiederholte Mina. „Ich dachte, hier geht es um Zeugenaussagen.“

„Das tut es auch“, sagte der Schmächtige ruhig. Die müden Augen auf die Papiere vor ihm gesenkt, die er in einen ordentlichen Stapel sammelte entging ihm ein zweiter, diesmal längerer wütender Blick, den sein Kollege ihm zu warf.

„Nun, wenn dieser Zweck dann offenbar bereits erfüllt ist, erkläre ich das nicht angekündigte Verhör hiermit für beendet“, erklärte Mina.

Dünnes Eis. So hoch in der gesellschaftlichen Hierarchie, dass ich es mir leisten kann es mir mit einem Beamten zu verscherzen, stehen der Professor und ich nun auch wieder nicht, musste sie zugeben, während sie dem Blick des Beamten stand hielt.

„Schön“, gab der Beamte schließlich nach, nicht ohne sofort hinzu zu fügen: „Wir werden überprüfen, ob ein Körperverletzungsdelikt vorliegt und werden gegebenenfalls entsprechende Maßnahmen ergreifen.“ Er fixierte den Modifizierten. „Wir wissen ja, wo Sie zu finden sind.“

„Das klingt wie eine Drohung“, bemerkte Mina während alles in ihr danach schrie, ihn anzuschreien, sich gefälligst endlich um die Aufklärung des Einbruchs zu kümmern. Die letzten Stunden – waren es überhaupt Stunden? Es fühlte sich jedenfalls so an – hatten ihren Nerven nicht sehr gut getan, und es jetzt mit jemandem wie diesem Beamten zu tun zu bekommen, war zu viel.

„Eine Feststellung“, erklärte der Schmächtige an Stelle seines Kollegen und erhob sich. „Kommen Sie, ich begleite Sie zur Tür.“

„Wir können Ihnen Polizeischutz für den Rückweg gewähren“, bot er an, als sie aus dem Raum heraus waren.

„Danke, aber ich habe schon einen Bodyguard“, erwiderte Mina.

Nicht, dass ich Yegor gefragt hätte, ob er diese Rolle überhaupt spielen möchte, setzte sie in Gedanken hinzu.

An der Tür angekommen, gab der schmächtige Beamte Mina noch ein „Seien Sie vorsichtig“ mit auf den Weg und nickte Yegor grüßend zu, bevor er sich zackig umdrehte und mit den Papieren im Gang verschwand.

„Es ist mir schon klar, dass du im Hafen zurück erwartet wirst, ich wollte uns einfach nur wieder da heraus bekommen“, sagte Mina und verschränkte einmal mehr die Arme vor der Brust, die immer noch nach Papier knisterte. Den Gedanken, darum zu bitten, die Dokumente in einem Safe auf der Polizeistation einzulagern, hatte sie angesichts des Verhaltens des Vorzeigepolizisten direkt wieder verworfen.

„Danke… schätze ich“, sagte Yegor.

„Ganz sicher nicht dafür“, erwiderte Mina. „Du darfst mich gerne wieder naiv nennen, aber das hätte ich nie für möglich gehalten, dass du Schwierigkeiten bekommen könntest, weil du dem Professor und mir geholfen hast. Ich kann das wirklich nicht fassen.“

„Es ist die Aufgabe von Polizeibeamten, die Einhaltung von Regeln zu gewährleisten“, erwiderte Yegor.

„Die wieder einmal nur für Modifizierte gelten sollen. Das ist neu, bisher galten in dieser Stadt gleiche Regeln für alle. Für diese Errungenschaft haben Leute gekämpft, und diese Errungenschaft soll jetzt einfach wieder abgeschafft werden.“ Sie seufzte. „Hast du eigentlich noch Kontakt zu anderen Modifizierten?“

„Das ist nicht erlaubt.“

„Dann weiß du also nicht, wie es den anderen jetzt geht?“

Sagte er das nicht gerade? dachte sie.

„Alles, das ich weiß, ist, dass nach dem Ende des Projekts einige Probanden von entfernten Verwandten aufgenommen wurden, andere kamen zu Pflegefamilien. Wie es ihnen inzwischen geht und was sie machen, darüber habe ich keine Informationen.“

„Schade, dass sich diese entfernten Verwandten erst so spät für die Waisen interessierten“, bemerkte Mina. Sie schaute in den Nebel, der jetzt so gut zu diesem Gespräch zu passen schien, Trotzdem hätte sie lieber klare Sicht gehabt. „Wie war das bei dir, wie ging es für dich weiter? Hast du noch Verwandte? Vielleicht am Nordpolarmeer?“

Nach dieser geistreichen Überlegung brach sie gerade noch rechtzeitig ab bevor sie weiterplappern konnte, dass er dem Namen nach ja aus dieser Gegend käme.

Der Modifizierte zuckte die Schultern.

„Die Leiter des Waisenhauses in dieser Gegend hatten einen großen Teil der Dokumente bereits vernichtet und sind kurz nach ihrer Verurteilung in einem Arbeitslager gestorben.“

„Dann hast du nach der Zeit im Labor bei einer Pflegefamilie gelebt? Hier in der Gegend?“ fragte Mina. „Und ja“, setzte sie hinzu, als der Rest ihres Gehirns zu ihrem Sprachzentrum aufschloss. „Auch das geht mich natürlich nichts an.“

„Erst habe ich in den Arbeitsunterkünften der Erzmine gelebt, in der ich gearbeitet habe, bis die Mine geschlossen wurde, und jetzt in den Arbeitsunterkünften im Hafen, seit die Poindexters mir die Arbeitsstelle hier geboten haben“, erwiderte Yegor.

„Dann war da wirklich niemand?“ vergewisserte sich Mina, als könne sie diese Tatsache ungeschehen machen, wenn sie nur oft genug nachfragte.

„Korrekt“, lautete die schlichte, beinahe gleichgültige Antwort, und Mina blieb nur ein betroffenes leises „Oh. Das tut mir sehr leid“, setzte sie hinzu.

„Muss es nicht.“

Tut es aber, erwiderte sie in Gedanken, suchte nach einem Trost für jemanden, der meinte, keinen Trost zu brauchen, fand jedoch keine passenden Worte, nur neue Fragen.

„Noch einmal vielen Dank für alles“, sagte sie statt dessen, als Yegor sie vor dem Eingang der Villa ablieferte. Ein Polizeifahrzeug parkte vor dem Tor, durch die offen stehende Eingangstür schimmerte Licht durch den Nebel in den Garten.

„Keine Ursache“, versicherte der Modifizierte.

Mina winkte ihm nach, bis er im Nebel verschwunden war, während sie gleichzeitig in Gedanken eine Liste erstellte, welche Laborausrüstung sich auf die Schnelle zum Landhaus mitnehmen ließ.


Plante Samples

It hadn’t been properly bright all day, but as compensation it got dark much earlier that evening. Mina, who studied the last pictogram, set aside her pen and went to the light switch beside the library door.

At least the documents are translated. That’s worth the trouble I will find myself in for having missed dance class, she thought.

As she reached for the switch, she heard rustling. A curtain had moved in the lab next door.

Usually Mina would have shrugged, turned on the light and gone to check if perhaps the wind had blown open a window, but then the thought of the policeman’s suspicion surged up – that someone might be interested in preventing the development of a cure.

Mina pulled her hand back from the switch.

Her gaze darted over to the parrots perched on the curtain rod above the window. The animals were perfectly still.
On the other hand, the two had been quiet all day already and barely flown around at all, as if the gloomy weather had drained their energy. In that sense, sitting still now wasn’t necessarily a warning sign.

Mina listened into the silence of the house.

Floorboards creaked.

That didn’t mean much either, she thought. In a house there are always noises, wood cracking when temperatures change, just like the metal of the pipes…

Another creak.

And again.

And the sound had a direction, from the window toward the door.

Mina hurried to the desk, grabbed the documents, stuffed them into her blouse and snapped her fingers to get the parrots‘ attention.

Will you react already, she scolded her darlings in thought.

As if they’d heard her, after the third snap they finally looked down at her. She waved for them to flutter onto her shoulder and secretly wished she had trained them as they took their time responding to the gesture.

A weapon.

Was there anything here she could use as a weapon to defend herself with?

Yes, there were rifles and pistols in the house – the professor’s grandfather had been a gun enthusiast. His grandson wasn’t, so all weapons were now carefully locked away in a room on the first floor.

She grabbed the letter opener. She’d rather have something with more range, but at least better than nothing.

The library door creaked despite her caution as Mina ventured out into the hallway.

And then the lab door opened and there was no doubt anymore that the noises hadn’t been caused by wind or temperature changes.

From the darkness of the lab emerged a dark-clad figure. Fingers in dark gloves reached for Mina. The blade of the letter opener cut through thick dark fabric and Mina was rewarded with a scream, more from surprise than pain and there was no blood visible on the letter opener. She used the surprise to her advantage, kicked at the figure’s knee, heard a crack and another scream, this one filled with pain. A second dark-clad figure appeared right beside her, reaching for the parrots that were flapping around the intruders in distress.

„Fly away!“ Mina called to the two. You must not get hurt, you must not get hurt under any circumstances! she added in thought, having more fear for the parrots than for herself and looking relieved when the two immediately obeyed this time.

Mina turned and ran, followed by the parrots, followed by the intruders.

One of the two was limping.

Where to? Upstairs, locking myself away somewhere?

Better not. Better to get out of the house. The fog outside promised cover.

She ran through the entrance hall and bumped into the professor who at that exact moment opened the front door and ducked as the parrots flew over him.

„Professor, there are burglars in the house!“

„What?“ The professor stumbled backward as Mina pushed him outside. „But the documents…“

„I’ve got them here!“

The professor hesitated, not ready to let himself be chased out of his own house. Mina grabbed his arm, dragged him down the steps and twitched as another shadow emerged from the fog on the gravel path in front of the house. Then she looked more closely and breathed a sigh of relief when she recognized Yegor. The parrots had apparently already found him and perched on his shoulder. The Modified gave Mina two objects wrapped in wax paper, the bowl that had held the tea snacks and another envelope, lifted the little creatures from his shoulder and placed them on hers.

„Retreat to safety,“ he said to her and the professor, then with a quick jump he was between them and the two pursuers. Boots scraped and scratched over the ground as the Modified apparently effortlessly pushed the two back into the house. Screams drifted through the fog.

Mina and the professor started running, making it to the entrance door just in time to see that the Modified knocked the intruders down with two precise punches. The blows sent them sliding across the floor until they lay still in the hallway. As the two dazed individuals opened their eyes again, they found themselves bound together with a tool belt.

„We have successfully gathered additional documents and some plant samples,“ Yegor said as if nothing had happened, pulling out a package and once more a receipt, and a pen from the inner pockets of his coat. „If you could please sign to confirm receipt.“

„Yes, of course.“
Like hypnotized, the professor took package, receipt and pen and signed the document.
„Thank you very much for your help,“ he said as he handed the document back to Yegor.

„Yes, thanks,“ Mina agreed. „Are you alright?“

„All good,“ Yegor assured her.

„Please wait a moment,“ the professor asked the Modified and hurried up the stairs to the upper floor with quick steps.

Mina placed the bowl on the small table near the door and crossed her arms over her chest, which crackled from paper. On emotional support from the parrots she didn’t need to count, they fluttered off and sat again on Yegor’s shoulder shortly thereafter, deeply engaged in the project of riddling the tarpaulin with holes.

„Do you have any cuts or wounds?“ Mina asked one of the two intruders. „There was no blood on the letter opener.“

She noticed that the Modified was staring at her.

„You’ve made sure both are harmless. There’s no reason anymore not to tend a wound,“ she explained.

The Modified looked from her over to the intruders again. On first glance, the clothing appeared unremarkable due to its boring colors, but Mina saw the expertly crafted seams. In addition, clothes and shoes fit perfectly.

„How touching,“ the addressed intruder commented on Mina’s concern, with a voice like velvet and a tone overflowing with contempt.

„It would be very kind if you could stop by the police headquarters on your way back to the harbor and report the incident,“ the professor requested as he returned, rope in one hand, in the other an old-fashioned yet richly decorated and perfectly maintained rifle. „And take Mina with you.“

„What about you?“ Mina asked.

The professor lifted the rifle demonstratively.

„I have this here, in case someone else tries to pay an uninvited visit, but I don’t want you here in the house then.“
„This house should have been empty at this time today,“ growled the second intruder, whose voice sounded more rough than velvety.

„I missed my dance class,“ Mina answered reflexively.

„Two professors working together with me on researching a medicine are both unwell, so I’m returning early,“ the professor explained.

The Modified looked at Mina and the professor in disbelief.

„You’re justifying your presence in your own house to two burglars?“ he asked himself.

Mina and the professor exchanged a glance.

„Apparently,“ the professor admitted and handed the rifle to Mina while with Yegor’s help he tied arms and legs of the intruders with ropes.

Mina felt the familiar feeling of the rifle on her shoulder as she aimed at the intruders. She had practiced with exactly this weapon when Professor Biraud had taught her how to handle a rifle, when during a circus visit with the professor she’d seen a trick shooter and absolutely wanted to become a trick shooter herself. When no shooting club would accept a ten-year-old who could only be active sporadically, the professor gave in and made an excellent marksman out of her, she remembered the training while the professor and the Modified stood up and stepped back from the bound intruders.

The Modified took the tool belt back, and Mina exchanged the rifle for the new envelope while Professor Biraud turned to Yegor.

„Please, watch over Mina.“

„Understood,“ said Yegor.

Mina took a coat from the clothes rack, the professor gave her a handful of gold coins which she put into the pocket. The parrots cuddled between hair and coat collar as Yegor returned the animals to her.

Mina managed to keep her mouth shut until they were on the street.

„The professor is an excellent marksman, but he refuses to shoot at anything living. He’d rather risk his own health than shoot another person,“ she shared her concern with the Modified.

„The rifle can still serve as deterrence,“ Yegor replied.

Around them streetlamps flared, painting murky light patches into fog and darkness. A film of fine water droplets made the cobblestone pavement under Mina’s thin house shoes slippery.

I should have put on boots, came the realization, especially since the street pavement was increasingly uneven and damaged here and there once they had left the villa district. Well, now it’s too late.

„The clothing of the intruders was of very good quality,“ she thought aloud. „Whoever hired them values high-quality work clothes. Fortunately not also on good fighters, otherwise I never would have been able to run away from those.“ She looked up at the Modified beside her. Small claws scratched over skin on her neck as the movement caused the parrots to shift their feather-light weight. „But you are a good fighter.“

„You just said that yourself, they weren’t good,“ Yegor replied. „So it didn’t take much to finish with them.“

„That’s not what I mean. You’re fast. You know what you’re doing. That must be right, doesn’t it?“

The Modified paused for a moment before finally answering with „Yes.“

„Where did you learn that?“ her next question shot from her lips before Mina could swallow it down.

That is none of your business, she told herself.

„I know that it is none of my business,“ she said aloud, looked forward again and felt the small claws in her neck once more. „But asking you where you have learned to fight distracts me from worrying about the professor.“

„In the labs,“ said the Modified.

„Wasn’t the goal of the experiments to create perfect workers?“ Mina wondered. „Why teach fighting skills?“

„One of the sponsors was a former general of the Imperial Army who hoped for particularly resilient bodyguards for a select group of people,“ Yegor replied.

„I’m surprised he apparently just gave up on this plan, otherwise he would have been interested in continuing the experiments,“ Mina thought aloud.

„The subordination of the subjects was insufficient,“ the Modified revealed.

Mina laughed.

„That is something I can appreciate,“ she said.

Two officers stepped out of the building as Mina and Yegor arrived at the police station, greeting the Modified with suspicious glances.

„I’d like to report a break-in. If you please could quickly send someone to Professor Biraud’s villa at Platanenallee 11. The professor is holding two burglars in check there,“ Mina said and turned to Yegor. „Thank you very much for accompanying me.“

„No problem,“ the Modified assured her.

„Are you also a witness to this break-in?“ one of the officers asked Yegor.

„He’s being expected at the harbor and was so kind to make sure I arrive safely here,“ Mina explained. „If you could please send help quickly, as I said.“

„It will be done,“ one of the officers promised and nodded friendly to Mina and the Modified before turning around and walking back into the police station. His colleague, who seemed like the ideal of a policeman, tall, athletic, young, neatly styled hair, meticulously trimmed beard, directed his attention back to Yegor.

„So? Are you a witness?“

„Yes,“ Yegor confirmed.

„Then accompany us so we can record your statement,“ the officer instructed him.

Fog crawled into the building with them, mixing the smell of rotting leaves under an aroma from tavern and library, cold tobacco smoke, stale beer, paper and ink, sweat and perfume and aftershave, both cheap. Rich people usually didn’t come to a police station but called in policemen when needed. On the way through the corridors, glances stuck to Yegor like glues as soon as someone noticed the iron. The officer beckoned another policeman, pale and slender and armed with documents behind which he almost disappeared.

„Do the animals need to be present?“ the officer said after he had directed Mina and Yegor into a quiet room and the slim policeman brought pen and paper into play, pointing at the parrots. „I can assign someone to remove them from the room.“

„Please no,“ Mina declined the suggestion.

„Fine,“ the officer said in a tone that left no doubt he didn’t find the presence of the parrots fine at all. „So then tell us what happened.“

Mina described the incident while the officer pulled an undated page from the paper stack and wrote diligently.

„And then Yegor neutralized the threat. They are bound now,“ she concluded her report.

As if he had been waiting for exactly this part of the description, the officer’s gaze darted to the Modified.

„So you physically attacked two unmodified humans?“ he asked.

„They’re both fine,“ Mina replied.

„The question wasn’t directed at you, Ms. Winter,“ the officer corrected her and immediately turned back to Yegor.

„So?“

„He has protected Professor Biraud and me from the burglars,“ Mina ignored the instruction only to be ignored by the officer just as well.

„If a Modified attacks non-modified persons, that’s a problem,“ he told Yegor.

„And I thought break-in was a problem,“ Mina said coolly trying to repress her ever growing aversion against the officer and staying factual.

„One does not exclude the other,“ the officer told her.

„So are we done with the witness statement then?“ Mina asked.

„All in all we are,“ the slim officer said and earned a poisonous look from his colleague which he calmly ignored.

„Very well, then we can leave now,“ said Mina.

„You should consider leaving the villa for a few days,“ the slim officer advised. „Do you have an alternative?“

„Yes, thank you for the good advice,“ Mina replied and gave the slim officer a smile. „There is a country estate.“

The slim one nodded and made a corresponding note.

„We will assign an officer to accompany you on your way back to Professor Biraud’s villa for your protection.“

„Not necessary,“ Mina said. „Yegor will accompany me.“

And this time it doesn’t matter to me that I make a decision for him without asking him first or that he should be back at the harbor again, I just want to get us away from here, she added in thought.

The slim officer nodded.

„Then I’ll note that you waive police protection,“ he declared, and Mina agreed.

„The interrogation is not yet finished,“ the other officer objected.

„Interrogation?“ Mina repeated. „I thought this was about witness statements.“

„That is the case,“ the slim one said calmly. The tired eyes lowered to the papers in front of him which he gathered into an orderly stack, he missed a second, this time longer angry look from his colleague directed at him.

„Well, if that purpose has apparently already been fulfilled, I hereby declare this unannounced interrogation concluded,“ Mina declared.

Thin ice. The professor and I are not up high enough in the social hierarchy that I can afford to annoy an officer, she had to admit while holding her ground against the officer’s gaze.

„Fine,“ he finally gave in. „We will check whether a bodily injury offense exists and will take appropriate measures if necessary.“ He stared at the Modified. „We know where to find you.“

„That sounds like a threat,“ Mina stated while everything inside her screamed at her to crean at the officer to finally get to solve the burglar. The last hours – had it been hours already? At least it felt that way – had been anything but beneficial for her nerves and having to deal with somebody like that model officer turned out to be too much.

„A statement,“ the slim officer declared in place of his colleague and stood up. „We can offer you police protection for the way back,“ he offered as they left the room.

„Thanks, but I already have a bodyguard,“ Mina replied.

Not that I have asked Yegor whether he wants to play this role at all, she added in thought.

At the door, the slim officer gave one more „Be careful“ advise to Mina and a friendly nod to Yegor before turning around and disappearing with the papers down the hall.

„You’re expected back in the harbor, I am aware of that, but I just wanted to get us out of here again,“ Mina said and once more crossed her arms over the chest which still crackled from paper. The thought of asking to store the documents in a safe at the police station she had discarded given the behavior of that ideal policeman.

„Thank you… I guess,“ said Yegor.

„Not for that,“ said Mina. „You may call me naive again if you like, but I never would have thought possible that you could get into trouble because you helped the professor and me. I really can’t believe it.“

„It’s the duty of police officers to ensure compliance with rules,“ Yegor replied.

„Rules that once again only apply to modified persons. That’s new, previously rules applied to everyone equally in this city. People fought for this achievement, and now this achievement is simply abolished.“ She sighed. „Do you actually still have contact with other Modified?“

„That’s not allowed.“

„Then you don’t know how the others are now?“

Didn’t he just say so? she thought.

„All I know is that after the end of the project some were taken in by distant relatives, others by foster families. How they’re doing now and what they do, I have no information regarding that.“

„Pity these distant relatives only became interested in the orphans so late,“ Mina remarked. She looked into the fog which now seemed to fit this conversation so well, although she would have preferred clarity. „How was it for you, how did things continue for you? Do you have relatives? Maybe somwehere at the Arctic Ocean?“

Following this witty speculation she interrupted herself before she could state that judging by his name he should originate from that area.

The modified man shrugged.

„The managers of the orphanage in that area had destroyed many documents before their arrest and they died shortly after in a labor camp.“

„So then you lived with a foster family? Were they from around here?“ asked Mina. And yes,“ she added as the rest of her brain caught up to her speech center. „That also doesn’t concern me of course.“

„First I lived in the worker accommodations of an ore mine I was working at until the mine closed and now in the worker accommodations in the harbor since the Poindexters offered me to work here,“ Yegor replied.

„So there was noone?“ Mina inquired as if it could change the facts if she just asked persistently enough.

„Correct,“ came the answer, free of any emotions, and Mina could only offer a concerned quiet „Oh. I’m so sorry.“

„Shouldn’t be.“

But I am, she thought in response, searching for comfort for someone who didn’t think to need any comfort, but found no fitting words.

„Thank you once more for everything,“ she said instead as Yegor delivered her in front of the villa entrance. A police car was parked in front of the gate, light shone through the open front door into the garden.

„You’re welcome,“ the Modified assured her. Mina waved goodbye until he disappeared into the fog while at the same time mentally creating a list of what laboratory equipment could be taken to the country estate quickly.


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